Aufruf an die Tornado-Piloten des Taktischen Luftwaffengeschwaders 33 am Atombombenstandort Büchel

zur Verweigerung der Mitwirkung an der nuklearen Teilhabe

Erneut wird die Frage der nuklearen Teilhabe der Bundesrepublik Deutschland öffentlich diskutiert. Neue Atombomber sollen angeschafft werden, da die Tornados ab 2025 ausgemustert werden. Sie als Pilotinnen/Piloten sollen im Ernstfall die Atombomben von Büchel über Zielgebiete abwerfen, die gegenüber der Öffentlichkeit geheim gehalten werden – mit alten Tornados oder neuen F-18-Bombern. Atomwaffeneinsätze sind jedoch völker rechts- und grundgesetzwidrig. Damit sind auch die Bereithaltung von Atombomben und alle unterstützenden Vorbereitungsleistungen für deren mögliche Einsätze rechtswidrig. Rechtswidrige Befehle dürfen weder erteilt noch befolgt werden. Wir appellieren an Sie, Ihren Vorgesetzten gegenüber zu erklären, dass Sie sich an der Unterstützung der nuklearen Teilhabe aus Gewissensgründen nicht mehr beteiligen wollen.

Die nukleare Teilhabe ist völkerrechts- und damit zugleich grundgesetzwidrig (Art. 25 GG):

– Die Bundesrepublik hat sich als Nichtnuklearwaffenstaat im Atomwaffensperrvertrag verpflichtet, Atomwaffen „von niemandem unmittelbar oder mittelbar anzunehmen“ (Art. II NVV).

– Jeder Atomwaffeneinsatz verstößt gegen die Genfer Konventionen/Zusatzprotokolle zur Geltung des humanitären Völkerrechts in bewaffneten Konflikten.

– Jeder Atomwaffeneinsatz ist laut Gutachten des Internationalen Gerichtshofes (IGH) vom 9. Juli 1996 generell verboten.

– Gemäß „Taschenkarte“ der Bundeswehr (Ausgabe 2008) ist deutschen Soldatinnen und Soldaten der Einsatz atomarer Waffen gemäß humanitärem Kriegsvölkerrecht ausdrücklich verboten.

Hinzu kommt, dass die Nuklearstrategie der NATO den Ersteinsatz von Atomwaffen nicht ausschließt. Zusätzlich erhöhen die Kündigung erreichter Abrüstungsvereinbarungen und die Produktion neuer „Mini-Nukes“, die die Ein satzschwelle senken, die Atomkriegsgefahr. Die neuen strategischen Gedankenspiele über einen begrenz- und gewinnbaren Atomkrieg überse hen die nahezu unaufhaltsame Eskalationsspirale im nuklearen Ernstfall. Die weltweit gelager ten Atomwaffenarsenale können die Menschheit mehrfach auslöschen. Jeder Atomkrieg würde unzählige Menschenleben durch Druckwellen, Feuerstürme und nukleare Strahlung auf grausa me Weise auslöschen und zumindest große Teile der Erde unbewohnbar machen. Auch ein „begrenzter“ Atomkrieg hätte weltweit katastropha le Auswirkungen auf Atmosphäre, Klima und Gesundheit der eventuell Überlebenden (nuklearer Winter).

Da der Atomwaffensperrvertrag (Nichtverbreitungsvertrag) das in Artikel VI. angestrebte Ziel – vollständige nukleare Abrüstung – nach über 50 Jahren nicht erreicht hat, muss die Bun desrepublik die nukleare Teilhabe in der NATO beenden und dem neuen Atomwaffen-Verbots vertrag der UNO beitreten – so fordert es die Friedensbewegung.

Sie als Pilotinnen und Piloten können Ihre direkte Mitwirkung an der nuklearen Teilhabe aufkündigen und so dazu beitragen, dass in einem ersten Schritt zu einer atomwaffenfrei en Welt die Atomwaffen aus der Bundesrepublik abgezogen werden.

Wir rufen alle Bürgerinnen und Bürger, Politikerinnen und Politiker dazu auf, sich ein deutig und mit aller Kraft gegen neue Atom bomber, für den Abzug der Atombomben aus Büchel und für die weltweite Ächtung aller Atomwaffen einzusetzen!

Unterzeichner*innen des Appells und Aktionshinweise: Der Aufruf an die Tornado-Piloten des Taktischen Luftwaffengeschwaders 33 am Atombombenstandort Büchel zur Verweigerung der Mitwirkung an der nuklearen Teilhabe wurde am 20. Juni 2020 in der Rhein-Zeitung veröffentlicht und vorab an den Kommandeur des Geschwaders 33 in Büchel/Cochem geschickt. Er wurde von folgenden Organisationen und Einzelpersonen unterzeichnet:

Organisationen: Aufstehen Düsseldorf; Barnimer Friedensinitiative; Bremer Friedensforum; DFG-VK Bremen; DFG-VK Erlangen; DFG-VK Karlsruhe; DFG-VK – Landesverband Bayern; EAK (Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden); Friedensausschuss der Quäker in Deutschland/Österreich; Friedensinitiative Hunsrück; Friedensregion Bodensee e.V.; Förderkreis Darmstädter Signal; Gustav-Heinemann-Friedensgesellschaft Siegen e.V.; IPPNW-ICAN (International Campaign to Abolish Nuclear Weapons) Gruppe Hamburg; Keine Waffen vom Bodensee (kwvb) e.V; Oldenburger Friedensbündnis; Quäker aus Freiburg; Quäker-Friedensinitiative Büchel; Reiter*innen für den Frieden; Wetzlarer Friedenstreff. Personen: Bernadette und Richard Ackva, Schöffengrund; Hanne Adams, Erfurt; Paul Arthen (Geschäftsführer pax christi- Regionalverband Limburg-Mainz), Villmar (Lahn); Ines Bartenstein (Vorstand GEW Köln), Köln; Anne Biermann-Asseln, Bremen; Gerarda Brammer, Karwitz; Dr. Wolfgang Baumeier, Lübeck; Prof. Dr. Hanne-Margret Birckenbach, Hamburg; Eva Böller (Bremer Friedensforum), Bremen; Reiner Braun (IPB), Berlin; Prof. Dr. Gregor Büchel, Herne; Gerd Büntzly, Herford; Heiner Busch (Grundrechtekomitee), Bern; Margaret Buslay (pax christi), Düsseldorf; Prof. Dr. Franz J. Conraths, Greifswald-Insel Riems; Niels Detloff (Sichelschmiede), Wittstock; Klaus Dick (pax christi Ravensburg), Ravensburg; Manfred Diebold, Dachsbach; Dr. Sybille Dönges, Bad Bevensen; Pastor i.R. Hartmut Drewes (Sprecher Bremer Friedensforum), Bremen; Jochen Dudeck, Nordenham; Helmut Eckermann, Solingen; Sigrid Eckert-Hoßbach, Beilstein; Änne Engelhardt, Ingelfingen; Pfarrer Dr. Matthias-W. Engelke (Geschäftsführer Förderkreis Darmstädter Signal), Köln; Ulrich Epple; Karin Fahnert, Bonn; Thomas Faßbender, Bonn; Ute Finckh- Krämer (MdB a.D.), Berlin; Alois Finke, Bonn; Peter Florek (Darmstädter Signal), Faßberg; Albert Fuchs, Meckenheim; Bärbel Fünfsinn; Leonie Glahn-Ejikeme, Bad Pyrmont; Prof. Dr. med. Ernst Gleichmann (Friedensforum Düsseldorf); Dieter Götzel, Stuhr; Reinhard Griep, Bonn; Susanne Großmann (Vorsitzende pax christi-Diözesanverband Bamberg), Erlangen; Heike Gumpert, Bonn; Birgit und Prof. Dr. Hans Martin Gündner (Versöhnungsbund), Marbach; Bernd Hahnfeld (IALANA), Köln; Dirk Harmsen, Karlsruhe; Jörg Hasse, Hamburg; Ilse Haubenreisser, Hamburg; Peter Heim, Köln; Reiner Herbolte und Susanne Deufel-Herbolte (pax christi Berlin), Berlin; Angelika und Stefan Herbst, Bonn; Wolfgang Hertle, Hamburg; Gerhard Heuser; Inge Höger (DIE LINKE), Düsseldorf; Michael Hiller (Grundrechtekomitee), Böhl-Iggelheim; Irmgard Hofer (Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit, IFFF-WILPF), Neuburg; Dr. Brigitte Hornstein (IPPNW Münster), Münster; Bernd Ising, Bremerhaven; Ernst-Ludwig Iskenius, Lübtheen; Dr. Volker Jenisch-Dönges, Bad Bevensen; Winfried Kern; Toni Kilger, München; Peter Klemm (Attac Hamburg), Hamburg; Julian Koch, Bonn; Walter König, Ratingen; Prof. Dr. Arnold Köpcke-Duttler, Ochsenfurt; Ulrike Koltermann, Bonn; Margot Konetzka (DKP), Bremen; Dr. Margarethe Koschel (pax christi – Gruppe Frankfurt/M), Steinbach/Ts.; Monika Kramer, Niederkassel; Agnes Krieger, Bonn; Marion Küpker (Versöhnungsbund), Hamburg; Ulrike Laubenthal (Sichelschmiede), Wittstock; Ekkehard Lentz (Sprecher Bremer Friedensforum), Bremen; Dr. Bernhard Liehl, Überlingen; Davorka Lovrekovic, Frankfurt/M; Gisa Luu, Frankfurt/M; Susanne Margraf-Epe (Vorsitzende pax christi-Regionalverband Limburg-Mainz), Ingelheim; Thomas Meinhardt (Vorsitzender pax christi-Regionalverband Limburg-Mainz), Idstein; Werner Mesnaric, Herzogenaurach; Odilo Metzler (Kommission Friedenspolitik pax christi), Stuttgart; Monika Merkel-Neumann, Köln; Hanna Middelmann, Göttingen; Volker Nimrich, Freiburg; Erich Nohe, Ingelfingen; Neithard Petry, Grevenbroich; Martin Pilgram (pax christi-Diözesanverband München&Freising), München; Britta Rabe (Referentin Grundrechtekomitee), Köln; Reinhard Rengel, Karwitz; Wiltrud Rösch- Metzler (Diözesanvorsitzende pax christi Rottenburg), Stuttgart; Clemens Ronnefeldt (Referent für Friedensfragen beim deutschen Zweig des internationalen Versöhnungsbundes), Freising; Jürgen Rose (Oberstleutnant a.D., Vorsitzender Förderkreis Darmstädter Signal), München; Erika Rudolph; Alfons Schabarum, Köln; Marc Schlichtherle, Bremen; Dr. Joachim Schneider (Vorsitzender pax christi-Diözesanverband Bamberg), Erlangen; Friedhelm Schneiders, Düsseldorf; Theodor Schönenberg (pax christi), Weingarten; Heide Schütz, Bonn; Doris Schulz, Solingen; Dr. Christine Schweitzer (Bund für Soziale Verteidigung), Hamburg; Rainer Seifert (Förderverein Frieden), Bonn; Barbara und Josef Senft, Bonn; Prof. Dr. Eva Senghaas-Knobloch, Bremen; Inge Siemering, Petershagen; Dr. Georg Singe, Vechta; Annemie Steffens (pax christi), Bonn; Dr. Wolfgang Steuer, Trossingen; Udo Sürer, Lindau; Katja Tempel (Prozesskampagne Wider§spruch), Meußließen; Hermann Theisen, Hirschberg; Sonnhild Thiel (DFG-VK Karlsruhe), Karlsruhe; Johannes Thomm, Nümbrecht; Rainer van Heukelum, Bonn; Kathrin Vogler (MdB), Emsdetten; Dirk Vogelskamp (Referent Grundrechtekomitee), Düren; Schulamith Weil, Köln; Dr. Hans-Peter Waldrich, Freiburg; Herbert Wehe, Bremen; Walburga Wilms, Köln; Michèle Winkler (Referentin Grundrechtekomitee), Köln; Dr. Gernot Wirth (Informationsstelle Lateinamerika – ila), Bonn; Beverly Zane, München; Hans und Angelika Zaunmüller, Aachen; Theodor Ziegler, Algolsheim; Dr. Inge Zimmer, Hürth.

Organisations- und Funktionsangaben hinter Namen dienen nur zur Information über die Person.

Hinweise zu aktuellen Aktionen/Hintergrundinformationen im Kontext der Atombomben in Büchel:
http://www.atomwaffenfrei.de/ und www.gaaa.org (Gewaltfreie Aktion Atomwaffen abschaffen). Zur Völkerrechtswidrigkeit von Atomwaffen siehe insbesondere Texte bei IALANA, u.a.:

https://www.ialana.de/images/pdf/arbeitsfelder/atomwaffen/atomsperrvertrag/Erklrung_zur_nuklearen_Teilhabe_und_zur_geplanten_Anschaffung_neuer_Trgerflugzeuge_fr_den_Atomwaffeneinsatz_06_05_2020.pdf

Initiatoren und v.i.S.d.P.:

Armin Lauven, Martin Singe, pax christi-Gruppe Bonn, In der Maar 40, 53175 Bonn

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